Wurst hat abgespeckt
Aus neuesten Untersuchungen der Bundesanstalt für Ernährung und Lebensmittel (BfEL) in Kulmbach geht hervor, dass der oft kritisierte Fettgehalt in Wurstwaren längst nicht so hoch ist, wie er in vielen Nährwerttabellen angegeben wird. So wird zum Beispiel der Fettgehalt von Salami meist mit 50 % angegeben, tatsächlich besitzt eine Salami dagegen nur 30 bis 35 % Fett, teilweise sogar unter 10 %. Bei einer kalorienreduzierten Diät muss heute niemand auf Wurst verzichten. Wurstsorten, die von Natur aus einen niedrigen Fettgehalt zwischen 3 und 12 % haben, wie z. B. Schinken, Bierschinken, Geflügelwurst oder Sülze, werden dann besonders bevorzugt.
Mit 1.500 verschiedenen Sorten, in ungezählten Geschmacksvarianten, mit viel Eiweiß, Vitaminen und Mineralstoffen stehen Wurst und Schinken in der Beliebtheit der Deutschen traditionell ganz weit oben. Statistisch verzehrt jede Frau im Durchschnitt 56 Gramm Wurst am Tag, Männer langen mit 87 Gramm etwas kräftiger zu. Die deutschen Fleischwarenhersteller verzeichnen eine seit Jahren stabile Nachfrage an den Wursttheken und im Kühlregal.
- Fettgehalte deutscher Wurstsorten müssen sich nicht mehr verstecken
Guten Appetit mit Wurst- und Fleischwaren - wenn da nicht der Verdacht auf "verstecktes" Fett wäre . . . Näher betrachtet entpuppen sich diese Sorgen jedoch weitgehend als unbegründet. Deutschlands Fleischwarenindustrie hat erkannt, dass sich viele Verbraucher heute möglichst wenig Kalorien aufs Brot legen oder in den Salat schneiden möchten.
Nach Untersuchungen der BfEL im fränkischen Kulmbach ist der durchschnittliche Fettgehalt deutscher Wurstsorten innerhalb der vergangenen zehn Jahre von 38 auf rund 28 Prozent gesunken. Ein gewisses Maß an Speck muss jedoch nach wie vor sein, damit der Geschmack oder die Streichfähigkeit nicht verloren gehen. Viele Spezialitäten liegen - wie die Kulmbacher jetzt festgestellt haben - weit unter diesem Durchschnittswert: Bierschinken hat beispielsweise einen Fettgehalt von nur 12 Prozent, Kochschinken oder einige Aspikerzeugnisse nur ganze fünf Prozent. Zur besseren Orientierung geben die Hersteller den Fettgehalt meist auf der Packung an.
Wer möchte, kann auch "light"-Wursterzeugnisse kaufen, die einen um mindestens 40 Prozent reduzierten Fettgehalt aufweisen. Bei der täglichen Fettaufnahme durch die Nahrung ist Wurst - ob "light" oder nicht - jedoch kein Schwerenöter.
Fleisch hat viel weniger Fett, als bisher in den Nährwerttabellen angegeben wird. Dies ist das Ergebnis einer Untersuchung der BfEL in Kulmbach. Schweinefilet enthält beispielsweise statt den bisher veröffentlichten zehn Prozent Fett nach den neuen Untersuchungen nur zwei Prozent Fett, Schnitzelfleisch nur 1,9 Prozent und selbst eine Hinterhaxe weist durchschnittlich nur 12,2 Prozent (früher 25 Prozent) Fett auf. Als Grund für die starke Veränderung der Werte sehen die Wissenschaftler den durch neue Zuchtmethoden erhöhten Anteil von Muskelfleisch beim Schwein, der seit den fünfziger Jahren von 50 auf 55 bis 60 Prozent gestiegen ist.
Nach Angaben des Bundesverbandes der deutschen Fleischwarenindustrie lässt sich daraus ableitend auch bei Wurst eine vergleichbare Entwicklung verzeichnen. In den vergangenen Jahren sank der durchschnittliche Fettgehalt deutscher Wurstwaren von 38,8 auf 28,1 Prozent.
- Wurst- und Fleischwaren werden immer noch unter- und überschätzt
In den letzten 10 Jahren hat sich der Fettgehalt deutscher Wurstsorten im Durchschnitt um 10 Prozent verringert. Dies ist auf den durch Züchtung verminderten Fettgehalt des Fleisches und auf veränderte Herstellungsverfahren zurückzuführen. Brühwürste enthalten z. B. je nach Sorte zwischen 12 und 25 Prozent Fett. Qualität und Geschmack stehen nach wie vor ganz oben, denn die Anforderungen der Verbraucher sind höher denn je. Die Industrie wird diesem Anspruch durch eine sorgfältige Auswahl der Rohstoffe und eine immer größere Produktpalette gerecht. Die freiwillige Kennzeichnung der Inhaltsstoffe erleichtert dem Verbraucher den Einkauf und für Ernährungsbewusste werden fett- und kochsalzreduzierte Produkte angeboten.