Eine echt deutsche Erfindung - die Currywurst - wird 60 Jahre alt


Also, wer sie nun erfunden hat, wird zwischen den Städten Hamburg und Berlin vermutlich niemals geklärt werden. Fakt ist allerdings, dass die vermeintliche Erfinderin Herta Heuwer „ihre“ Currywurst im Jahre 1959 unter dem Namen „Chillup“ als Patent Nummer 721319 in Berlin schützen ließ.


Seitdem genießt die Currywurst in Berlin Kultstatus und gilt für jeden Berlinbesucher als touristisches „Muss“:
Die Hamburger stützen sich in ihren „Currywursturheberrechten“ lediglich auf die Novelle des Uwe Timm: Die Geschichte der Currywurst. In dieser Erzählung soll die fiktive Protagonistin Lena Brücker die Currywurst erfunden haben. Es heißt: Der Autor habe sie höchstpersönlich dort gegessen.
Tatsache bleibt, dass des Deutschen liebstes Fastfood bis heute in Berlin zum Stadtbild gehört und auch im Ausland als „typisch berlinerisch“ angesehen wird. So ist es unausweichlich, dass trotz strittiger Herkunft Deutschlands erstes und einziges Currywurstmuseum nirgendwo anders eröffnet werden kann, als in Berlin. Die Museumspforten (www.currywurstmuseum.de) sollen sich pünktlich zum 60. Geburtstag der Currywurst täglich von 10:00-22.00 Uhr für die Besucher öffnen.
Glaubt man der Legende um die Currywurstherkunft in Berlin, so hat Herta Heuwer sie an einem verregneten Septemberabend mehr oder weniger aus Zufall erfunden. Mangels Kundschaft an diesem Abend hatte sie Zeit zum Mischen, Mixen und Ausprobieren und erfand somit das zehn Jahre später patentierte „Urrezept“. Versuche großer Firmen, Markenrechte an diesem Rezept zu erwerben, hat sie zeitlebens abgelehnt. Man sagt, sie habe niemandem ihr Rezept anvertraut. Ein sehr großes Geheimnis kann ihre Rezeptur allerdings nicht sein, denn im armen Nachkriegsberlin hatte der Gewürzgroßhändler nur etwa 10-12 Gewürze im Angebot. Vier Jahre nach ihrem Ableben 1999 errichtete man ihr zu Ehren eine Gedenktafel an jener Stelle, wo ihre „1. Currywurst-Braterei der Welt“ stand (Charlottenburg, Kantstraße 101).

Wer auch immer sie erfunden hat, die Currywurst ist aus der deutschen Snacklandschaft nicht wegzudenken. Alle Versuche von Döner, Pizza, Hamburgern, Sushi u.a. diesen urbanen Gaumenkitzel vom Markt zu treiben, blieben erfolglos Bis heute sollen jährlich um die 800 Millionen Currywürste verspeist werden, davon angeblich allein ca. 63 Millionen in Berlin: Würde man diese aneinander reihen, so hätte man um die 9.000 km Wurst, vom Ku’damm bis San Francisco. An diesem Verzehr sind nicht nur Imbissbuden beteiligt, sondern auch viele Betriebskantinen, die die Currywurst als beliebtestes Kantinen-Essen immer wieder anbieten. Bis heute ist sie der Renner in der VW Kantine in Wolfsburg. Eines jedoch wissen alle Currywurstanbieter: ob sie nun aus Brüh- oder Bratwurst, mit oder ohne Darm, geräuchert oder gepökelt angeboten wird: auf die feuerrote Sauce kommt es an. Der Tradition Herta Heuwers folgend wird hierzu nicht einfach ein vorgefertigter Ketchup erwärmt, sondern selbst gemixt und vielfach experimentiert. So entwickelten sich zahlreiche Vorlieben, die regional spürbar sind.
Die typische Berliner Currywurst besteht aus einer Brühwurst mit oder ohne Darm und wird in verschiedenen Schärfegraden (Cayennepfeffer) oder mit Körnern (Chili) angeboten (mundartlich auch als „Molotov-Wurst“ bekannt).
Im Ruhrgebiet dagegen handelt es sich bei einer Currywurst immer um eine Bratwurst, die nicht gepökelt und nicht geräuchert ist, dafür aber auch gut und gerne nicht immer mit der typischen Currysauce, sondern auch mal mit Schaschlik-, Zigeuner- oder Jägersauce serviert werden darf. Chili ist hier eher nicht üblich. Ob Manta- oder Schimanski-Teller oder Bottroper Schlemmerplatte genannt, hier wird die C-Wurst meist von „Pommes Schranke“ (=rot/weiß) begleitet. Auf der Speisekarte steht dann für den Ortsfremden oft nicht verständlich nur „CPM“ = Currywurst mit Pommes und Mayo oder „CWPZM“ = Currywurst-Pommes-zum-Mitnehmen“. Gegessen wird der Asi-Teller oder das Bratwurst-Carpaccio (oder in Norddeutschland der „Kanzler-Teller“) meist in der Futterkrippe oder Frittenschmiede.

Wie und wo auch immer, jeder kann „seine“ Lieblings-Currywurst finden, wie es auch zahlreiche Prominente auf Fotos immer wieder zeigen: Schauspieler, wie der verstorbene Harald Juhnke oder sein Kollege Wolfgang Völz, Politiker aus Berlin, aber auch aus dem Ausland wie George Bush, der beim Besuch des Schöneberger Rathauses von Richard von Weizsäcker an die nächste Imbissbude gezogen wurde. Auch im Rheinland genießt die Currywurst Popularität: Seit 1997 feiern die Kölner Tatort-Kommissare Schenk (Dietmar Bär) und Ballauf (Klaus Behrendt) ihre gelösten Fälle mit Blick auf den Kölner Dom mit einer Currywurst. Auch die Bonner Politik macht vor dem Würstchen keinen Halt: Erst kürzlich aß Klaus Wowereit mit dem Oberbürgermeisterkanditaten der Stadt Bonn, Jürgen Nimptsch, an einer Bonner Imbissbude eine Currywurst.

Kurzum: nicht nur wer in Berlin etwas auf sich hält, bekennt sich zum Genuss des schnellen Gaumenkitzels. Und das, obwohl die Currywurst mit ihren 400kcal ernährungsphysiologisch wohl eher eine Haupt- als eine Zwischenmahlzeit darstellt. Wird sie in Maßen und nicht täglich konsumiert, kann sie keinen Schaden anrichten. Darüber sind sich republikweit alle Currywurst-Fans einig, schließlich hat die Erfinderin Herta Heuwer ihre Currywürste auch in das nahe gelegene Krankenhaus geliefert.

Die ungebrochene Beliebtheit der Currywurst liegt sicherlich nicht nur am guten Geschmack der jeweils individuellen Rezeptur, sondern auch daran, dass sie ein Lebensgefühl vermittelt. Kein Snack ist so stark in allen Bevölkerungsschichten beliebt: wir finden die Currywurst auf den Speisekarten gehobener Restaurants, in Buden der feinen Einkaufsmeilen, aber auch auf den nächtlichen Vergnügungsmeilen. Sie schmeckt zwar schon am späten Vormittag, ist für Nachtschwärmer und Nachtarbeiter aber erst in der Dunkelheit vollkommen.

Fest steht: die Currywurst wird auch in den nächsten 60 Jahren Klassengrenzen überwinden und die besten Imbissbuden werden in die Stadtführer der Städte aufgenommen werden, um dem Ortsfremden an die traditionsreichen und kulinarisch besten Buden zu führen.
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